15. Oktober 2017
Tobias Engbers

Sonntagskonzert am 15.10.2017

Das im Programmheft als das Holzbläserquartett angekündigte Ensemble Corrélatif (1. Preis mit Auszeichnung beim internationalen Wettbewerb Città di Ostuni) ist in der Tat eines von nur einer Handvoll professioneller Ensembles weltweit, die in der selten zu hörenden Formation bestehend aus Flöte (Christian Strube), Oboe (Marion Klotz), Klarinette (Matthias Beltz) und Fagott (Anne Steinbach) auftreten,

wobei sie auch Komponisten, die vielleicht zu Unrecht weniger bekannt sind, auf die Spur kamen. Prof. Dr. Matthias Brzoska, Leiter der Sonntagskonzerte, beleuchtete einleitend die Entstehung des Quartetts. Eröffnet wurde das Konzert mit W. A. Mozarts Andante F-Dur KV 616, einem ursprünglich für ein Orgelwerk in einer Uhr komponiertes Stück. Es folgte ein dreisätziges Divertissement (1947) des frz. Komponisten Marcel Bitsch im Stil frz. Spielmusik im 20. Jh. Vor der Pause gab es noch Eugène Bozzas von Ravel beeinflusste Trois pièces pour une musique de nuit von 1954 zu hören, deren Impressionismus die 4 Musiker in den Außensätzen tonmalerisch umsetzten. Nachdem das Quartett mit einer Lieder-Suite aus Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel die 2. Hälfte eröffnet hatte, erreichte der Abend mit dem nahezu in Vergessenheit geratenen Schweizerischen Komponisten Joseph Lauber und seinem vom dt.-frz. Repertoire sich abhebenden Quartett Im Schweizer Volkston einen Höhepunkt in Kategorien der Virtuosität: Schon im Allegretto wandern die virtuosen Motive durch die Stimmen, im Menuet konnte das Fagott die technischen Hürden mit Bravour meistern, und auch im finalen Allegro, ma non troppo konnte das Publikum die Akribie bewundern, mit der die 4 Musiker sich die Virtuosität und den beschwingten Charakter zueigen gemacht hatten. Ganz im Sinne des frz. Komponisten Jean Françaix präsentierte das Ensemble mit dessen  Quatuor von 1933 „Musik, die Freude macht“. Einem lebhaften Beifall des Publikums entsprechend, kündigte Fagottistin A. Steinbach an: „Zugabe!“ Es gab deren zwei, zunächst ein Novelty Foxtrott des 1. Jazzprofessors (vor 1933) Mátyás Seiber und zu guter letzt ein Stück Aus Spanien. Neben der interpretatorischen Klasse kommt dem Ensemble Corrélatif v. a. das Verdienst zu, auch verborgene Schätze der Kammermusikliteratur ins öffentliche Bewusstsein zurückzuholen.