3. Januar 2019
Ratinger Wochenblatt

Weltklasse zum kleinen Preis

Kulturkreis Hösel veranstaltet auch 2019 herausragende Konzerte

Hösel. Auch im neuen Jahr kann der Kulturkreis Hösel mit einem exquisiten Konzertpro­gramm glänzen. Für Musik­liebhaber ist ein Abo fast schon ein Muss, denn dann kann man fünf hochkarätige Kammerkon­zerte für gerade einmal 60 Euro genießen. Etliche der Künstler, die der rege Kulturverein ins Oktogon des Oberschlesischen Landesmuseums locken kann, sind normalerweise nur auf den großen Bühnen der Welt zu hö­ren. So wird es auch 2019 wieder eine Stradivari-Gala geben. Im Einzelverkauf kosten die Karten 18 Euro.

Musikalische Weltklasse erlebt das Publikum schon am Sonntag, 20. Januar, beim Klavierabend mit Denis Pascal aus Paris. Der Profes­sor am Konservatorium der franzö­sischen Hauptstadt ist in den großen Sälen aller Kontinente zu Hause. Schon in jungen Jahren gewann er internationale Klavier-Wettbewerbe in Lissabon, New York und Zürich. „Er gilt als der Intellektuelle unter den Pianisten, der sich auch auf unbekanntes und gewagtes Repertoire einlässt", sagt Prof. Mattias Brzoska, der die Konzerte beim Kulturkreis Hösel organisiert. Seit 2011 lehrt er am weltberühmten Pariser Konservatorium. Seine CDs umfassen die Gesamtaufnahme der Rhapsodien von Liszt, die beiden Klavierkonzerte von Chopin auf historischen Flügeln und eine CD, die er dem Klavierwerk von Jean Wiener gewidmet hat, den er wie­derentdeckt hat, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das Konzertprogramm des Kul­turkreises zeichnet sich nicht nur durch Qualität aus, sondern oft auch durch Originalität. Ein außerge­wöhnliches Musikerlebnis erwartet die Besucher am 3. Februar, wenn rund 50 Flöten unterschiedlichster Art Musik aus sieben Jahrhunderten erklingen lassen. Die „Folkwang Recorders", das Blockflötenen­semble der Folkwang-Universität der Künste in Essen, ist dann in Hösel zu Gast. Seit über 20 Jahren stellen Studierende der Klasse von Prof. Ulrike Volkhardt unter diesem Namen ihr Instrument in ganz neuen und unbekannten Zusammenhän­gen vor. Von der Musik des Mittel­alters über Renaissance und Barock bis zur Moderne reicht das Reper­toire. Die Folkwang Recorders treten in Hösel in Großbesetzung auf und können so zum Beispiel venezianische Mehrchörigkeit auf historischen Instrumenten anbieten. Verstärkt werden sie von Prof. 'Hans-Dieter Michatz vom Con­servatorium Sydney, der für eine Masterclass an der Folkwang-Uni in Europa weilt.

Wie seit vielen Jahren gewohnt, gibt es beim Kulturkreis auch ein Konzert von Preisträgern des Deutschen Musikrats. Am 26. Mai 2019 kommt das Hamburger „Trio Adorno" mit Christoph Callies, Violine, Samuel Seile, Violoncello, und Lion Hinrichs, Klavier, nach Hösel. Die drei spielten schon als Jugendliche zusammen, das Trio wurde 2003 im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend musiziert" gegründet. Seitdem hagelte es Prei­se und Auftritte auf der ganzen Welt. Prof Brzoska: „Das Trio Adorno spielt sich durch sein expressives, sensibles und stilsicheres Auftreten immer wieder aufs Neue in die Herzen des Publikums."

Die Stradivari-Gala findet am 27. Oktober statt. Dieses außerge­wöhnliche Konzert bietet die ein­malige Gelegenheit, in der intimen kammermusikalischen Atmosphäre des Oktogons eine italienische und eine französische Spitzenvioline vergleichen zu können. Mintcho Mintchev spielt eine Stradivari, genauer: die "Baron Wittgenstein" von 1716, eine Geige aus der „gol­denen Epoche" Stradivaris. Sein Sohn Nikolai Mintchev bringt eine hochwertige Geige des französi­schen Geigenbauers Jean Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1850 mit.

Die meisten Geigenvirtuosen ziehen italienische Instrumente vor, aber eine Minderheit schwört auf die Franzosen, die auch den Vor­teil haben, rund 100 Jahre jünger, deswegen besser erhalten und vor allem deutlich preisgünstiger zu sein (wobei auch das sehr relativ ist, denn auch eine Vuillaume kostet so viel wie ein Einfamilienhaus, aber eben nicht mehrere Millionen). Der französische Geigenbauer war einer der ersten, der die Qualität Stradivaris erkannte und dessen Bauweise minutiös und auf der Basis wissenschaftlicher Studien kopierte, dabei aber trotzdem auf eine eigenständige „französische" Klangfarbe achtete.

Auch im nächsten Jahr gibt es in Hösel ein exklusives Projektkon­zert, das so nirgends zu hören sein wird. Das Orpheus-Quartett spielt am 17. November die Streichquar­tette von Anton Reicha, die von der französischen Musikwissenschaft­lerin Louise Bernard de Raymond, einer Kollegin. von Prof. Brzos­ka in Paris, wiederentdeckt und spielfertig herausgegeben worden: Anton Reicha, ein enger Freund Beethovens, war zu seiner Zeit ein sehr bekannter Komponist, seine Streichquartette waren jedoch in Vergessenheit geraten.

Alle Konzerte finden sonntags um 17 Uhr statt. Info zum Abo unter Telefon 02102-1019033 oder www. kulturkreis-hoesel.de.