16. November 2017
Ratinger Wochenblatt

Wenn die Stradivari singt

Ratingen-Hösel . Mit einem Highlight endet die Abo-Kon­zertsaison des Kulturkreises Hösel am Sonntag, 19. Novem­ber: Ab 17 Uhr spielt der Cellist Valentino Worlitzsch, diesjähriger Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs, im Haus Oberschlesien, Bahnhofstraße 71. Bei seinem Pro­gramm unter dem Titel „Abenteuer in Spanien" mit Werken von Debussy, de Falla, Richard Strauss und César Franck wird er von Elisabeth Brauß am Klavier begleitet.

Der Ein­tritt kostet 15 Euro, für Jugendliche ist er frei. Reservierung unter Telefon 1 01 90 33. Gleichzeitig macht der Kulturkreis Hösel Appetit auf die Konzertsaison 2018. Im Jahr, in dem Hösel sein 800-jähriges Bestehen feiert, ist die Konzertreihe noch hochkarätiger besetzt als sonst.

 

Valentino Worlitzsch hätte man auch in diese illustre 2018er Reihe aufnehmen kön­nen, nun spielt er aber schon am kommenden Sonntag. Er gewann allein 2016 den Preis des Deutschen Musikwettbe­werbs, den Publikumspreis, den Bonner Rotary-Musik­preis und ein Jahresstipen­dium der Deutschen Stiftung Musikleben. Zahlreiche wei­tere Auszeichnungen zieren sein noch junges Musiker­leben (Worlitzsch ist Jahrgang 1989). Als Solist trat er mit den Düsseldorfer Symphoni­kern, dem Beethoven Orches­ter Bonn, dem Münchner Kammerorchester und den Nürnberger Symphonikern auf und konzertierte auf be­deutenden Bühnen wie der Wigmore Hall in London, der Berliner Philharmonie, der Philharmonie St. Petersburg, der Beethovenhalle Bonn und der Tonhalle Düsseldorf. Da­rüber hinaus widmet er sich leidenschaftlich der Kammer­musik. Als Preisträger des Wettbewerbs des Deutschen Musikinstrumentenfonds in der Deutschen Stiftung Mu­sikleben spielt er seit 2015 ein Violoncello mit Zettel „Gran­cino" (römische Schule 18. Jahrhunderts), eine treuhände­rische Eingabe aus Privat­besitz.

Die 22-jährige Pianistin Eli­sabeth Brauß gewann 2013 beim TONALi Grand Prix in Hamburg den Haupt- und den Publikumspreis, 2015 gewann sie den ersten Preis beim Wettbewerb „Ton und Erklä­rung" in Frankfurt und 2016 den Klavier-Olymp-Preis in Bad Kissingen. 2014 erhielt sie ein Stipendium der Hans und Eugenia Jütting-Stiftung und seit 2014 ist sie außerdem Stipendiatin der Studienstif­tung des Deutschen Volkes.. Internationale Konzertreisen führten sie bereits nach Nor­wegen, Russland, in die Ukraine, USA, China und Taiwan. Als Solistin konzer­tierte sie mit zahlreichen nam­haften Orchestern im In- und Ausland.

Bei den Sonntagskonzerten des Kulturkreises Hösel haben Musikliebhaber die seltene Gelegenheit, namhafte Musi­ker, die man normalerweise streichholzgroß in einer Rie­sen-Halle von den hinteren Rängen aus sieht, hautnah mitzuerleben. Für 2018 konn­te der rege Verein ein ganz besonderes Programm zusam­menstellen — er selbst spricht von Weltspitzenklasse. Und das zum normalen Abo-Preis von 60 Euro für fünf Konzer­te. Das ist für dieses Niveau konkurrenzlos günstig, mit dem Abo bekommt man zu­dem den Eintritt für ein Kon­zert geschenkt.

Den Anfang macht am 14.Januar „Die französische Kla­rinette", ein Titel mit feinem Doppelsinn. Die französische Klarinette hat ein anderes Klappensystem als die „deut­sche Klarinette" und hat sich, da sie leichter zu spielen ist, weltweit durchgesetzt. Wie ein solches Instrument in Vollendung klingt, wird den Höseler Musikliebhabern ein französischer Künstler darbie­ten: Jerome Comte, Professor am weltberühmten Pariser Konservatorium, und Solokla­rinettist des von Pierre Boulez gegründeten Ensemble Inter­- contemporain, mit dem er in­zwischen wohl sämtliche be­deutenden Konzertpodien der Welt bespielt hat. Er wird am Klavier begleitet von Denis Pascal, auch er vom Pariser Konservatorium und norma­lerweise in den großen Sälen aller Kontinente zu Hause.

Auch am 11. Februar be­kommen die Höseler Kultur­freunde Besuch aus Paris, diesmal vom Violinisten Svet­lin Roussev. Dabei haben die Musikfreunde die seltene Ge­legenheit, eine Stradivari zu hören, was in einem so klei­nen Rahmen sehr selten zu erleben ist. 2013 erhielt Pro­fessor Roussev die „Duc de Camposelice"-Stradivari von 1710 (ein Instrument aus der so genannten goldenen Epo­che des berühmten Geigen­bauers) von der japanischen All Nippon Music Foundation geliehen. Er wird am Klavier von Ulrich Hofmann beglei­tet, Dozent für Streicher­begleitung an der Folkwang-Uni Essen.

Das Morgenstern-Trio be­streitet das Konzert am 27. Mai. Katherine Klipfel, Kla­vier, Stefan Hempel, Violine, und Emanuel Wehse, Cello, gehören als Trio zu den er­folgreichsten jungen Ensem­bles aus Deutschland. . Unter anderem gewann es den ARD-Musikwettbewerb. Nach der Sommerpause steht am 14. Oktober das Trio Dill auf dem Programm. Darin fanden drei Professoren aus Stuttgart für Violine, Horn und Klavier zu­sammen. Und am 11. Novem­ber 2018 gibt es — nein, nicht Karneval — sondern ein letztes Spitzenkonzert mit dem Klari­nettentrio Lafroyg. Das En­semble firmiert in Essen, ist aber international besetzt mit der albanischen Pianistin Kle­dia Stefani, dem französischen Cellisten Yan Vaigot und dem deutschen Klarinettisten Robert Beck.               es