13. Mai 2019
Zeitung der Jüdischen Gemeine Düsseldorf "Hier & Jüdisch"
Bildquelle: Vadym Fridman

Wirf Deine Angst in die Luft

Konzertlesung zu Rosa Ausländer

Am 21. März 2019, dem 30. Todestag der Dichterin Rosa Aus­länder, nahm eine Gruppe von Mitgliedern des Jüdischer Kul­turvereins „Schalom Ratingen" im Rahmen des Projekts „Drei Generationen - Drei Kulturen: Eine gemeinsame Zukunft" an dem Programm „Wirf Deine Angst in die Luft" teil, das durch den Kulturkreis Hösel organisiert worden war.

Rosa Ausländer, deutsche Dichterin jüdischer Herkunft (ei­gentlich Rosalia Scherzer) wurde am 11. Mai 1901 in Cher­nowitz in Österreich-Ungarn (heute Chernivtsi, Ukraine) geboren. Sie schrieb auf Deutsch und Englisch. Sie studier­te in Chernivtsi und Wien und zog 1921 zusammen mit ih­rem zukünftigen Ehemann in die USA. Im Jahr 1931 kehrte sie nach Czernowitz zurück, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern. Sie lebte dort bis 1936 und verlor damit ihre US-Staatsbürgerschaft. Bis 1944 war sie im Ghetto Chernivt­si, wo sie den Schriftstseller Paul Celan traf (ein weiteres und letztes Mal trafen sie sich 1957 in Paris). Im Laufe des Jahres versteckte sie sich, um nicht in ein Konzentrationslager de­portiert zu werden.1944 wurde sie von sowjetischen Trup­pen befreit. Sie kehrte in den Vereinigten Staaten zurück und wurde 1948 erneut amerikanische Staatsbürgerin. Im Jahr 1967 kehrte sie nach Deutschland zurück. Ab 1978 litt sie an schwerer Arthritis und konnte nicht länger selbst schreiben.

Ab diesem Zeitpunkt diktierte sie ihre Gedichte. Sie lebte und starb im Nelly-Sachs-Haus unserer Gemeinde. Sie erhielt den Heinrich-Heine-Preis (1966), den Annette-von-Dros­te-Hülshoff-Preis (1967) sowie das große Bundesverdienst­kreuz (1987).

Sie war eine der herausragenden deutschen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Gedichte sind bis heute relevant. Flüchtlinge und Verfolgte, wurzellose und vergessene Mut­tersprache waren die Helden ihrer Gedichte.

Dieses Programm in Hösel wurde von einem Bewohner von Ratingen, dem berühmten Komponisten Jan Rohlfing, vor­bereitet und durchgeführt. Die Gedichte von Rosa Ausländer wurden von der Schauspielerin Alicia Fasset gelesen, beglei­tet von Musikern unter der Leitung von Jan Rohlfing. DasKammerorchester mit acht Musikern konnte die Eigenart der Dichtersprache vermitteln.

Möglich wurde dies alles durch Frau Regine Walther, Vorsit­zende der Kulturkreis Hösel, die uns herzlich eingeladen hat­te, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Vadym Fridman